Abenteuer Reiseblog 2026 #5 – Der Wolfs-Elch!

Der Wolfs-Elch

 

 

Liebe:r Leser:in, liebe Alle,

 

wie schön, dass du hier bist. Für mein Pferd Nocona (Püppi), meinen Hund Nuri und mich geht es heute zurück in die Freiheit.

Ich bin Musikerin, Schauspielerin und seit ich 18 Jahre alt bin, begeisterte Outdoorerin. Zusammen mit meinen Pferden und meinem Hund reise ich regelmäßig nach Norden. Nach Schweden, bis die Straßen leerer werden, der Asphalt zu Schotterpisten wird, zu Sandwegen und schließlich enden. Dort steigen wir aus und beginnen unsere Reisen. Mit Zelt, Angelzeug, Büchern und guten Schuhen (mittlerweile jedenfalls, auf meiner ersten Reise stapfte ich auf Buffalo Plateau Turnschuhen durch den Wald)

Wir drei..

 

Zu den Anfängen und älteren Reisen kommst du hier:

Erster Wildnis Blog

Zu dem Buch über das Alles hier kommst du hier:

Frei Sein – Das Hörbuch

Ganz unten ist dann jede Menge Musik verlinkt, aber jetzt Schluss mit Eigenwerbung, es geht los:

 

 

Der Wolfs-Elch

 

Wir sind vor ein paar Tagen aus dem Wald zurück in unser Häusschen gekommen.

Die Zelttour war dieses Mal einfach nur fantastisch und ich habe jeden Moment gedacht, dass ich wohl der glücklichste Mensch der Erde sein muss, weil ich das alles hier erleben darf.

Püppi hat sich endlich richtig eingegrooved. Es ist schwer für ein Pferd ohne Artgenossen. Wenn es dann auch noch nachts alleine in einem kleinen Paddock mitten im Nirgendwo mit einem übernachten soll, ist es eine regelrechte Herausforderung. Während Nuri sich an mich kuschelt, wenn es draussen heult, steht Püppi den Geräuschen mehr oder weniger allein gegenüber. Ich bin zwar nur einen Meter von ihr entfernt, aber ich bin halt nur ein Mensch.

Nuri kann zu mir ins Zelt…Püppi leider nicht….

Nachdem unser erster Versuch loszuziehen und draussen zu bleiben wirklich mit Pauken und Trompeten gescheitert ist

(kannst du hier nachlesen),

ist es mir unheimlich schwergefallen, noch einmal loszuziehen; aber ich bin überglücklich, dass ich Püppi und mir die Chance gegeben habe.

Ich bin immer wieder erstanut darüber, wie wenig Geduld ich eigentlich tatsächlich habe und mit wieviel Erwartungsdruck ich immer durch meine eigene Welt tingel.

Als Lehrerin bin ich ganz anders (hoffe ich :D) Nur bei mir selbst habe ich wenig Regulation.

 

Die erste Nacht im Bett

 

Nun sind wir also wieder heil und glücklich zurück in der Sicherheit des Waldhauses.

Mein Blick aus dem Fenster zu Püppi..

Ich war gerade eingeschlafen, als ich Püppi draussen aufgeregt fauchen hörte.

Auch hier im Haus ist mein Schlafplatz nur wenige Meter von ihrem Paddock entfernt, so dass ich sie sowohl sehen, ansprechen als auch hören kann.

Aber es war bereits nach 1:00 und stockfinster.

Der Mond war noch nicht aufgegangen, und obwohl es eine sternenklare kalte Nacht war, konnte ich absolut gar nichts draussen sehen. Ich konnte nur hören, wie sich Püppis Gefauche steigerte und dazwischen panisches Hufgetrappel ausmachen. Wann immer Püppi dabei über die Felsen sprang, stoben Funken von ihren Eisen und ich betete, dass sie nicht wieder stürzen würde (so wie letztes Jahr). Ich bin aus dem Bett gesprungen und zur Tür gerannt.

Es wird kalt nachts…

 

Immer für den Notfall vorbereitet

 

Wenn ich in meinem Zelt schlafe habe ich immer direkt an meinem Kopf die Dinge für einen Notfall bereit. Messer, Licht, Schuhe, Leuchti für Nuri, damit ich sie in der Dunkelheit nicht verliere.

Im Haus handhabe ich das nicht anders. Ich stelle mir immer abends alles genau vor die Tür, damit ich nur blind greifen muss, um alles zur Hand zu haben.

Am Haus habe ich natürlich den absoluten Vorteil, dass ich mein Auto hier stehen habe. Das heisst, ich kann wenigstens Nuri zur Not schnell irgendwo einsperren, wo sie sicher ist.

Ich höre also Püppi draussen toben, von Beruhigung keine Spur in Sicht. Leider haben wir hier am Haus noch so gut wie kein Licht. Aber ich habe ja den Solar Scheinwerfer extra für solche Panikattacken installiert (könnt ihr euch hier ansehen)

Solar-Strahler über Püppis Stall

 

Und ich war sooooo froh, dass ich ihn nun anschalten konnte. Dafür mussten Nuri und ich aber erst mal durch die Dunkelheit zu Püppi rennen.

Teil meiner Notfall-Ausrüstung ist auch ein Handstrahler mit großer Reichweite. Messer, Licht, leuchtende Nuri, Jacke und Schuhe – und los zu Püppi.

Die arme Kleine war völlig aufgelöst und deutete immer wieder fauchend auf einen Punkt im dunklen Wald.

Ich schaltete den Solarstrahler an ihrem Stall an, doch ich konnte nichts erkennen.

 

Pferde lügen nicht (meistens)

 

Da sie aber in keinster Weise ruhiger wurde, nun da ich da war und wir etwas Licht hatten, schaltete ich meinen Handstrahler zusätzlich ein und leuchtete in die Richtung in die sie so verzweifelt starrte.

Und noch während ich die Linie des Waldes mit dem Lichtkegel abfuhr, blitzen plötzlich zwei Lichtpunkte auf Kniehöhe auf. Leuchtende Augen in der absoluten Dunkelheit. Gerade ausserhalb des Lichtkegels.

Nur zwei stille, regungslose leuchtende Punkte.

Ich rief sofort Nuri bei Fuss und bewegte mich nicht. Leuchtete die Augen nur an. Was war das für ein Tier?

Ich habe schon dutzende leuchtende Augen bei Nacht gesehen. In der Regel verschwanden sie sofort, wenn ich sie anleuchtete. Und in der Regel waren die auch höher von Boden entfernt. Elche werden locker 1,80m.

Diese Augen waren aber auf Kniehöhe.

Langsam, und sehr zielgerichtet überbrückte ich die 5m bis zu meinem Wagen. Das Auto ist hier nie abgeschlossen. Ich setzte Nuri in Sicherheit und schloss die Tür. Erleichterung. Der Hund war schon mal sicher.

Ich stellte mich wieder vor Püppi. Keine Sekunde nahm ich den Blick von den funkelnden Augen; keinen Millimeter rührten sie sich.

 

Die beiden sind beste Freundinnen..

Löwenmutti

Da Püppi in ihrer Panik Gefahr lief, sich selbst zu verletzen und ich mir immer sicherer wurde, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handeln musste; es gibt hier in der Gegend welche, traf ich eine Entscheidung.

Das Viech hatte sich über 5 Minuten nicht gerührt und machte keine Anstalten zu verschwinden.

Trotz beeindruckend fauchendem, tanzenden Pferd, trotz bellendem Hund, trotz Flutlicht.

Ich beschloss es mit meinem Auto in die Flucht zu schlagen.

Ich hätte den Wolf auch überfahren, so besorgt war ich um meine Tiere. Gott sei Dank hatte ich mein Auto. Im Wald im Zelt hätte das jetzt anders ausgesehen.

Ich versprach Püppi also hoch und heilig, dass ich nicht wegfahren würde, sondern den Wagen nur zum Einschüchtern bewegen würde und stieg ein. 

Kein Autoschlüssel. FUCK. !!!!

Ich musste dem Ganzen den Rücken kehren und ohne selbst in Panik zu verfallen zum Haus zurück. Denn die Autoschlüssel lagen noch immer bei meinen Notfall-Sachen. Ich hatte sie liegen lassen.

Ich also im Rückwärtsgang, die leuchtenden Augen am Waldrand ständig im Blick, das verzweifelnde Pferd zu meiner linken, zurück zum Haus. Autoschlüssel geschnappt und genauso bedacht wieder zum Auto zurück. Nur nicht hektisch werden, das hilft niemandem.

Vielleicht klingt das alles lächerlich. Aber ich hatte noch keinen Wolf. Ich musste auch noch nie darüber nachdenken, ein Tier anzufahren, um meine Eigenen zu beschützen. Und auch, wenn ich relativ furchtlos bin, gingen mir die leuchtenden, stillen Augen, das panische Gefauche von Püppi und das verunsicherte Gewinsel von Nuri allmählich selbst an die Nerven.

Als ich den Motor startete wieherte Püppi noch ängstlicher, sie dachte ich verlasse sie in der Stunde der Not.

Und irgendwie bekam an dieser Stelle alles einen Comedy-Charakter, denn ich fuhr das Fenster herunter, obwohl ich ja auf dem Weg zu einer Kollision mit einem Wolf war, und rief ihr über den brüllenden Motor beruhigende Worte zu. Wie beruhigend man eben so klingt, wenn man fast schreien muss.

Dann rollte ich los, noch konnte ich immer noch nur die leuchtenden Punkte sehen. Da fiel mir der Nebelscheinwerfer ein. Und trotz dem mein Wagen laut brummte (kalter Diesel) und ich schon fuhr, bewegten sich die Augen immer noch nicht.

 

Der Wolf

Der Wolf. War ein Elch.

Elch im Garten..anderer Tag, anderer Elch

In dem Moment, in dem ich die Nebelscheinwerfer anmachte, sah ich ihn vor mir stehen. Ein Elch. Gut 1,70m groß, ohne Geweih, die Beine etwas seitlich weggespreizt und der Kopf gesenkt.

Er sah genauso verdattert aus, wie ich wahrscheinlich erleichtert aussah. 

„Ein Elch!“ schrie ich äusserst beruhigend durchs offene Fenster zu Püppi hinter mir, „ES IST NUR EIN ELCH!!!“

Der Elch, der nun doch langsam vermutete, dass er nicht mehr unsichtbar war, hob langsam den Kopf.

Ich hatte natürlich sofort angehalten. Er sah noch einmal zu Püppi und zog dann geräuschlos und vollkommen ohne Eile in den Wald zu meiner Rechten. Zwusch….Weg war er.

Püppi schnobberte. Nuri quiekte vor Begeisterung. Ich saß in meinem Wagen, bei offenem Fenster, bereit einen Wolf zu überfahren und kicherte.

 

Ich fuhr vorsichtshalber noch eine geräuschvolle Runde in der Auffahrt, um alle Tiere ganz sicher zu vertreiben und stellte den Motor dann ab.

Nuri durfte wieder raus und rannte sofort zu ihrer Freundin. Püppi brubbelte mich immer noch aufgeregt, aber nicht mehr panisch an. Ich ging und holte ihr etwas zu fressen. Kauen beruhigt die Nerven. Auch bei Pferden 😀

 

Das Wunder der Nacht

 

So eine Aufregung geht nicht in Minuten vorbei. Das ganze Adrenalin muss den Körper eines Fluchttieres erst einmal verlassen.

Ich machte es mir also gemütlich und verbrachte noch die nächste Stunde bei ihr. So wie ich es immer tue, wenn sie Angst hat.

Püppi stellte sich neben mich, Nuri legte sich neben Püppi, und ich stand unter dem sternenübersäten schwarzen Nachthimmel.

Und tatsächlich sah ich eine Sternschnuppe. Sie zog ganz hell, ganz lang, links über Püppi hinweg.

Diesen Himmel, hätte ich sonst nie so gesehen..

Normalerweise wünscht man sich ja etwas, wenn man eine Schnuppe sieht.

Mein erster Impuls bei dieser Sternschnuppe war allerdings kein Wunsch, sondern ein spontanes Danke.

Danke, dass wir das heil überstanden haben und es kein Wolf war.

..und bei Tageslicht geht es wieder los..hoffentlich weiterhin ohne Wölfe

 

 

Bis zum nächsten Blog 🙂

 

Eure Püppi, Nuri und Vaile Löwenherzmutti

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