Den Mutigen gehört die Welt?

..am Feuer
Liebe:r Leser:in, liebe Alle,
wie schön, dass du hier bist. Für mein Pferd Nocona (Püppi), meinen Hund Nuri und mich geht es heute zurück in die Freiheit.
Ich bin Musikerin, Schauspielerin und seit ich 18 Jahre alt bin, begeisterte Outdoorerin. Zusammen mit meinen Pferden und meinem Hund reise ich regelmäßig nach Norden. Nach Schweden, bis die Straßen leerer werden, der Asphalt zu Schotterpisten wird, zu Sandwegen und schließlich enden. Dort steigen wir aus und beginnen unsere Reisen. Mit Zelt, Angelzeug, Büchern und guten Schuhen (mittlerweile jedenfalls, auf meiner ersten Reise stapfte ich auf Buffalo Plateau Turnschuhen durch den Wald)

Wir drei..
Zu den Anfängen und älteren Reisen kommst du hier:
Zu dem Buch über das Alles hier kommst du hier:
Ganz unten ist dann jede Menge Musik verlinkt, aber jetzt Schluss mit Eigenwerbung, es geht los:
Den Mutigen gehört die Welt?
Weil viele von euch mir schreiben, wie mutig sie mich finden. Ob ich denn gar keine Angst hätte, so ganz alleine mit Pferd und Hund in einem fremden Land, und dann auch noch meine Zelt-Touren durch die Wälder.

Ready to go..
Jedes Mal, wenn ich so eine liebe Nachricht von jemandem bekomme, fühle ich mich irgendwie unaufrichtig.
Denn jedes Bild, dass ich in meinen Status stelle, jeder schöne Moment, den ich mit meinen Tieren hier in Wald erlebe, ist für mich wie eine kleine Trophäe. Eine kleine Trophäe, die ich mir selbst gegeben habe, weil ich meine Angst wieder einmal besiegen konnte.

hier..
Die Wahrheit
Die Wahrheit hinter all diesen schönen Bildern und den dutzenden von Wildnisreisen, die ich in meinem Leben bereits gemacht habe ist, dass ich quasi permanent Angst vor irgendetwas habe.
Vielleicht nicht vor den naheliegenden Dingen, wie alleine reisen, bösen Menschen, wilden Tieren. Davor hatte ich zum Glück tatsächlich noch nie Angst.
Der dunkle Wald fühlt sich wie mein Zuhause an, mit allem was drin ist.

Frische Minze

Aber die Vorbereitungen sind anstrengend und bringen mich mehr als einmal an den Rand meiner nervlichen Belastbarkeit, bevor ich überhaupt losgezogen bin.
Tausend Fragen und Zweifel treiben mich um:
Kommen wir heil an? Schaffe ich die Tour da hoch alleine? Werden meine Tiere das beide heil überstehen? Ist die Belastung zu groß? Mute ich ihnen zu viel zu?
Bis hin zu: hält mein Auto die Fahrt durch? Bleibt der Anhänger heil? Und bleiben die Eisen an Püppis Füßen dran?
Gesammelte Pannen hoch 10
Es ist ja auch nicht so, dass mir nicht schon einiges von den Beispielen während einer meiner Touren passiert wäre.
Und sei es „nur“ einen ganzen Sommer lang mitten in einer Hitzewelle keinen Tropfen Wasser zu haben. (Das könnt ihr zb hier nachlesen)

Nuri findet, sie hat zu wenig Platz

Mein Wald-Heim..

Der heilige blaue Eimer..immer dabei
Jeder Tag den ich hier verbringe ist durchsetzt mit Überlegungen dieser Art.
Und wenn die Dunkelheit einbricht, horche ich auf jede Bewegung von Püppi. Hat sie Angst? Kommt sie zur Ruhe? Muss ich zu ihr rennen und sie beruhigen? In Nächten, in denen sie Angst hat, stehe ich oft die ganze Zeit nah bei ihr. Ich kann nicht wirklich etwas tun. Wenn es ganz schlimm ist, kann ich sie an ihr Arbeitsseil binden, damit sie mir nicht abhaut und ich ihre Bewgungen ein bisschen lenken kann. Aber meistens stehe ich nur da und erzähle ihr eine Geschichte. Oder mache laut eine Einkaufsliste. Oder versuche sie daran zu erinnern, was sie für ein cooles Pferd zuhause und auf Turnier ist. Oft kommt sie dann irgendwann wieder zur Ruhe.

Ich höre auf jedes Geräusch von ihr..
Aber wenn dann so etwas passiert, wie bei unserem letzten Versuch in den Wald lozuziehen, und Püppi mir ganz eindeutig zeigt, dass sie mit der freien Natur überfordert ist. (Siehe einen Blog zuvor). Ich sogar abbrechen muss, damit nichts schlimmeres passiert, als eine Nacht Fussmarsch im Regen mit klitschnassem Gepäck. Dann ist der Anlauf es noch einmal zu wagen, um so größer. Und wird größer mit jedem Tag, der verstreicht.

Immer wieder losziehen
Ich bin nicht unsterblich
Und nach allem, was mir in den vergangenen Jahren und jüngst vergangenen Monaten gesundheitlich aufgeladen wurde, fährt jetzt plötzlich noch eine ganz neue Frage in meinem Zweifel-Karussell mit:
Werde ich es noch schaffen meiner eigenen Erwartung gerecht zu werden. Bin ich noch dazu in der Lage meine kleine Herde durch den Wald zu führen, um Frieden und Freiheit zu finden?
Kann ich das schlicht noch?
Seit meiner Kopf OP rase ich mit meinem Leben um die Wette.
Am eigenen Leib zu erfahren, dass man nicht unsterblich ist, macht etwas mit einem.
Bei mir hat es dafür gesorgt, dass ich wie eine Löwin angefangen habe, darum zu kämpfen, der Mensch zu bleiben, der ich bin.
Für den ich mein Leben lang so hart gearbeitet habe.
Ein Leben als Künstlerin führen zu können, für das ich so viele Opfer gebracht habe.
Für das ich Absage um Absage, Niederlage über Niederlage eingesteckt und runtergeschluckt habe, um am Ende sagen zu können: „Ich bin ich, und ich war mir immer treu“.

Ich bin ich

Und so bin ich glücklich..
Künstler haben keinen doppelten Boden
Wenn es nicht so gut läuft als selbstständige Künstlerin ohne monetäres Auffangnetz, hat man kaum Sicherheiten.
Und neben der puren Existenz, ist es schwer sich immer und immer wieder die Krone zu richten, wenn die kommerzielle Welt einen nicht annerkennt, egal mit wieviel Herzblut man seine Werke gebaut hat und mit wieviel Liebe und Überzeugung man sie immer und immer wieder anbietet.
Und dann gibt es die Menschen, die an dieser Stelle sagen: „Tja, dann musst du halt was anderes machen, wenn deine Kunst dich nicht ernähren kann“.
Und für Viele funktioniert das bestimmt.
Und für Viele funktioniert das eben nicht.
Ich gehöre zu letzteren. Ich habe immer weitergemacht. Von Job zu Job, nie die Hoffnung verloren. Nie den Glauben daran, dass mein Weg richtig ist. Dass ich der Welt etwas geben kann, das ich eben nur geben kann, wenn ich bleibe, wer ich bin.

..am Feuer
Und dann kam der Tumor
Und dann kam der Tumor und meine ganze Welt war plötzlich in einer nie gekannten vollkommen anderen Gefahr.
Einer Gefahr von Innen heraus.
Etwas, das ich nicht kontrollieren konnte; egal wie mutig ich war. Egal wie stark. Egal wie überzeugt.
Kein Ausraster von Püppi, kein platter Reifen mitten im Nirgendwo, kein Bär irgendwo im Gebüsch, kein Sturm in meinem bisherigen Leben, hat mir jemals so viel Angst gemacht.
Diese Jahre zu überstehen, hat mich mehr Mut gekostet, als ich jemals im Wald gebraucht habe.
Und ich habe mich in all dieser Zeit nicht eine Sekunde lang mutig gefühlt.
Nicht eine Sekunde lang.

..abends draussen..
Was bedeutet Mut für dich?
Wenn mir jetzt also jeder sagt, wie mutig ich sei.
Mit meinen Reisen durch die schwedischen Wälder…dann weiß ich ganz ehrlich gar nicht, ob das nur im Ansatz beschreibt, was es von mir verlangt, um immer wieder loszuziehen.
Ich packe meine Satteltaschen und beweise mir selbst, dass ich mich nie verloren habe. Dass ich immer noch da bin.
Nicht mehr ganz genau dieselbe. Nicht mehr so furchtlos. Nicht mehr so stark. Aber am Leben und immer noch auf meinem Weg.
Und jeder kleine Schritt in dieser großen weiten Welt, bringt mich immer wieder näher zu mir zurück.
Ich bin einfach so voller Dankbarkeit und Freude darüber, dass ich es bis hier geschafft habe.
Eure Vaile, Nuri und Nocona

Suchbild..manchmal finde ich sie selber nicht 😀

Wo mein Herz zur Ruhe kommt..



















Schön geschrieben, ich kann dich so gut verstehen, liebe Grüße Andrea, aus den spanischen Pyrenäen