Zurück in die Freiheit
Liebe:r Leser:in, liebe Alle,
wie schön, dass du hier bist. Für mein Pferd Nocona (Püppi), meinen Hund Nuri und mich geht es heute zurück in die Freiheit.
Ich bin Musikerin, Schauspielerin und seit ich 18 Jahre alt bin, begeisterte Outdoorerin. Zusammen mit meinen Pferden und meinem Hund reise ich regelmäßig nach Norden. Nach Schweden, bis die Straßen leerer werden, der Asphalt zu Schotterpisten wird, zu Sandwegen und schließlich enden. Dort steigen wir aus und beginnen unsere Reisen. Mit Zelt, Angelzeug, Büchern und guten Schuhen (mittlerweile jedenfalls, auf meiner ersten Reise stapfte ich auf Buffalo Plateau Turnschuhen durch den Wald)

Wir drei
Zu den Anfängen und älteren Reisen kommst du hier:
Zu dem Buch über das Alles hier kommst du hier:
Ganz unten ist dann jede Menge Musik verlinkt, aber jetzt Schluss mit Eigenwerbung, es geht los:
Stille hören
Wir sind jetzt seit fast 2 Wochen hier. Nicht zu fassen.
Anders, als meine Jahre im Zelt haben wir hier einen Ort, an dem wir abends in Sicherheit sind.
Futter, Wasser, ein richtiges Bett. Der totale Luxus.
Das Wetter in Schweden diesen Sommer ist so wechselhaft, dass ich mein Zelt bisher auch nicht vermisst habe. Wir haben hier nachts bis zu 5 Grad, und wenn es dazu nicht gerade in Strömen regnet, steigt die Temperatur tagsüber gerne bis auf 30 Grad. Ich liebe jedes Wetter, aber dicke Klamotten und Wechselsachen am Start zu haben, statt mit klammer Kleidung in einen Schlafsack gehüllt im Zelt zu sitzen, ist wirklich eine schöne Abwechslung zu unseren früheren Trips.
Wir scouten..
Diese Reise war als teilweiser Wanderritt geplant, so dass ich meine Arbeit als Sprecherin und Komponistin nicht vollkommen auf Eis packen muss, solange ich hier bin.
Ich habe mir hier in unserem Haus im Wald ein komplettes Studio eingerichtet, von dem aus ich wunderbar arbeiten kann. Dank meines Schwagers haben wir hier wohl auch das beste Internet in ganz Schweden, ein weiterer Vorteil, wenn man auf lückenlose und störungsfreie Audioübertragungen angewiesen ist.

Nuri arbeitet am härtesten

Alles dabei…

Mein Studio
Tagsüber machen Püppi, Nuri und ich immer längere Touren durch das Land. Das nennt sich „Scout“- oder „Sternen-Ritte“. Also, wenn man den ganzen Tag neue Wege erkundet und am Abend zu einer festen Basis zurückkehrt.
Später, wenn sich das Wetter endlich einpegelt möchte ich dann noch mit Zelt los, um unsere Kreise zu vergrößern.
In der Ferne ein Feuer
Zuhause bin ich ein Mensch, der keinen Stillstand kennt. Wie andere Menschen es schaffen, auch einfach mal auf dem Sofa zu sitzen und „Nichts“ zu tun, war mir immer schon ein Rätsel, und meine Selbstständigkeit macht das natürlich nicht besser.
Im Gegenteil; es gibt immer ein neues Projekt, einen Weg, den ich noch nicht ausprobiert habe, 10 Songss zu schreiben, eine Geschichte zu erzählen. Als Musikerin, Sprecherin, Schauspielerin gibt es in meinem Leben IMMER „das nächste Projekt“.

Als Musikerin auf der Bühne


Sprecherin im Studio

..oder als Schauspielerin…
Und wenn das alles erledigt ist, gibt es natürlich einen kleinen Stall zu organisieren und Tiere zu versorgen. <3
Keine Zeit zum Nichts tun
Zeit um „Nichts“ zu tun, habe ich nicht.
Seit ich ein junges Mädchen war, haben meine Ziele mein Tempo bestimmt. Es gab immer den Blick auf die nächste Kurve, um zu sehen, was dahinter kommt.
Dieses Tempo hat mich unaufhaltsam bis in die schwedischen Wälder im Norden getrieben.
Um immer weiter zu gehen, auch dort, wo vielleicht noch keine Wege waren. Immer zu sehen, was am nächsten Ufer auf uns wartet.

In der Ferne ein Feuer
Diese Entschlossenheit macht mich für meine Tiere zu einem akzeptablen Leittier. Sie folgen mir geduldig, tragen mein Gepäck. Im eigentlichen und im übertragenden Sinne.
Das Fehlen von Stille
Denn die eigentliche Last waren nie mein Zelt und meine Wechselschlüpfer. Das eigentliche Gepäck ist der konstante Lärm, den ich in mir trage. Der Lärm einer Welt voller Menschen und Wünsche, voller Hoffnungen und voller Tränen. Einer Welt, in der uns allen, so wenig Zeit bleibt, für diejenigen, die wir lieben, und für die Dinge, die uns Freude bereiten.
So wenig Zeit für ein ganzen Leben.
Vielleicht renne ich deshalb in einem solchen Tempo.
Ich möchte so viele Erlebnisse, wie möglich machen. So viele Bilder wie möglich in mir speichern, so oft aus Dankbarkeit für diese wunderschöne Welt lachen und weinen, wie möglich.
So intensiv leben, wie ich kann.
Wenn ich Angst habe
Als ich diese Reisen begonnen habe war ich 18 Jahre alt.
Jetzt bin ich Mitte 40 und darf das immer noch tun.
Mein Seelenpony Marina, dass über die Hälfte meines Lebens alle Last für mich getragen hat, ist nicht mehr dabei. Aber sie ist überall um mich herum. Sie hat Nocona noch alles beigebracht.

Meine Marina
Wenn wir Angst haben, stelle ich mir vor, wie Marina an ihrem Baum angebunden steht und einfach erduldet, was da kommt.
Ein Gewitter, Elche, Wildschweine, Stürme, Regen, Langeweile, Hunger..Sie hat immer geduldig darauf vertraut, dass das Leben danach weitergehen wird.

Da waren noch beide zusammen
Wenn Püppi hier Angst hat, in ihrem Paddock nicht zu Ruhe kommt. Die Pause auf einem Tagesritt nicht nutzt, um Kraft für den Rückweg zu sammeln, sondern in den Wald starrt auf der Suche nach Gefahren.


Meine Nocona

Wenn ich meine Anspannung nicht loswerden kann, und ich Angst vor meinem eigenen Antrieb bekomme.
Fels-Therapie
Dann lege ich meine Hand auf die Felsen unter mir. Spüre den rauen Stein und das weichere Moos. Versuche im Moment anzukommen und nicht in der Vergangenheit, oder der Zukunft zu sein.
Ich öffne die Augen und bin hier. Bei mir. Und ich höre der Stille zu, bis sie all den Lärm in mir übertönt hat.
Bis mein Atem zusammen mit dem Wind fliesst.
Bis ich verstehe, dass das einzige Gewicht, das ich tragen muss, mein Körper ist. Püppi übernimmt die Taschen. Mein Ziel war immer mein Weg. Und ich versuche jede Sekunde davon zu geniessen.

Auf dem Weg
Ich stehe auf und baue unser Lager ab. Wir reiten heute wieder nach Hause. Zu unserem kleinen Haus im Wald.
Auf dem Felsen, auf dem ich eben saß bleiben alle schweren Gedanken und alle Ängste zurück.
Bis der Wind sie gleichmütig wegweht.

..mein Fels

Bis zum nächsten Blog
Eure Vaile, Püppi und Nuri <3


















