Wer hätte das gedacht…

Die guten Tage sind die Zukunft

Wer hätte das gedacht…nach meiner Kopf OP und dem damit verbundenen schrecklichen Jahr 2020 merke ich, dass ich zunehmend einen anderen Blick auf die Dinge bekomme. Sicherlich bin ich nicht der erste Mensch, dem nach einem Trauma vieles, was vorher wichtig erschien, auf einmal trivial und klein erscheint.

Ich habe immer noch mit den Nebenwirkungen der Bestrahlung zu tun. Ein, mal mehr mal weniger, lauter Tinnitus, Schwindel Anfälle, die schwer zu beschreiben sind und sehr anstrengend für den Körper. Ich kann zum Glück immer stehen, gehen, sogar arbeiten. Aber manchmal ist es, als müsste ich für die selbe tausend Mal durchgeführte Gesangsübung das fünffache an Kraft investieren. Alles immer mal mehr, mal weniger. Und immer öfter gibt es auch Tage, an denen ich voller alter Energie und Kraft bin.

Das sind die Tage der Zukunft, sagt meine Schwester dann. Darauf musst du dich konzentrieren …und das tue ich.

Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich selbst an schlechteren Tagen so arbeiten kann, dass es niemanden außer mir wirklich auffällt. Das ist in meiner Branche auch nicht ganz unwichtig. Denn wer bucht schon eine Musikerin, die auf der Bühne schwächelt, oder eine Schauspielerin, die sich Sorgen macht, ob sie das Tagespensum schafft.

Meine Schwester sagt, ich würde selbst auf 10%  meiner selbst, noch 110% Leistung bringen. Und auch, wenn es sich noch oft nicht so anfühlt, hilft mir dieser Gedanke jeden Tag. Und das Ergebnis meiner Arbeit zeigt, dass es möglich ist.

Endlich wieder vor der Kamera

Ich habe in diesem Jahr Konzerte gespielt, bereits 2 Singles veröffentlicht , ein neues Kindermusical komponiert, Modell gestanden, unterrichtet, vielen Projekten meine Stimme als Sprecherin gegeben, Turniere geritten… und nun durfte ich auch endlich wieder drehen.

Mein erster Drehtag nach der ganzen Geschichte; und ich war ziemlich aufgeregt.

Dabei meine ich keine Aufregung im Sinne von Lampenfieber..Es war eher eine total Aufgewühltheit, kennt ihr das? Ich hätte im Prinzip die ganze Zeit heulen können. Vor Freude darüber, dass ich nun wieder vor der Kamera stehe. Ohne Gesichtslähmung, ohne Stimmschwierigkeiten, ohne Einschränkungen. So ging es mir bei meinem ersten Konzert dieses Jahr übrigens auch. Aber Singen mit Kloß im Hals ist noch bescheuerter…Innere Zerrissenheit gibt einem Charakter vor der Kamera immerhin ein gewisses mysteriöses Maß an Tiefe, und produziert keine schiefen Töne…

Eine enorme Dankbarkeit und Demut dem Leben, und der Kraft gegenüber, die uns allen innewohnt erfüllt mich mehr denn je. Ich kann es nicht besser beschreiben. Auf jeden Fall, führte all das Emo-Zeug gleich beim ersten Take zu einem kolossalen Versprecher. Und das mir, die ihr Geld vor allem mit Sprache und Sprechen verdient :).

Vor lauter Emo keine Worte..

Gott sei dank, sind wir hier aber nicht bei einer Serie mit maximalem Tagespensum, ohne Zeit für Qualität (Alles schon erlebt…), sondern bei der DEGETO, also der ARD. Wir konnten es also wiederholen. Diesmal saß ich nicht auf meiner Zunge und alles fühlte sich schnell wieder an, wie gewohnt.

Während ich das schreibe, fällt mir eine kleine Anekdote aus meiner Marienhof Zeit wieder ein. In meiner Rolle als Jessy, musste ich einmal die DJane für eine gestellte Disko-Szene geben. Solche Drehtage sind schwerer für alle, weil einfach so viele Menschen am Set sind. Wir hatten alleine an die 80 Komparsen, damit die “Disko” voll wirkte.

Ich, als Jessy, sollte irgendwas anheizendes improvisieren…da ich wirklich überhaupt keine Ahnung hatte, was eine DJane so tut, ging das total in die Hose. Was ich da zusammenbrabbelte, machte tatsächlich nicht nur inhaltlichen überhaupt keinen Sinn, nein, es war dazu auch grammatikalisch völliger Dünnpfiff. Aber wir hatten leider keine Zeit die Einstellung zu wiederholen :D. Wen es interessiert, der/die kann die Folge bestimmt irgendwo im Netz finden…

Nuri, der kleine Wunderhund

Meine kleine Nuri ist zum ersten mal an einem Film-Set dabei. Ich habe vorher gefragt, ob Hunde am Set ein Problem wären und bekam die Antwort, dass es bereits drei Hunde am Set gäbe. Trotzdem war ich aufgeregt, wie sich mein kleines Müllkippen Monster wohl benehmen würde. Mit Hunden hat sie ja überhaupt kein Problem, aber bei Menschen bekommt sie noch manchmal Angstanfälle und verkriecht sich bellend unter Tisch, Schrank oder Hecke. Ich arbeite täglich mit ihr daran, und ich muss sagen, ich bin vollkommen überwältigt, was diese kleine Hundenase mit ihren 11 Monaten im Leben, und gerade mal 6 Monaten bei mir alles leistet.

Sie hat sich sofort beim ganzen Team eingeschleimt (im wahrsten Sinne des Wortes). Hat sich auf die Decke der Doggen Mischlingsdame Lilly gesetzt und sie mit Küssen und viel Gewedel um den Finger gewickelt. Alles ohne Probleme. Den Dreh über blieb sie brav im Auto.

Die Krönung aber war die Abschlussfeier. Ich liess sie erst im Auto und wäre nur kurz geblieben, um sie nicht zu lange alleine zu lassen. Aber Lilly war bereits in dem Cafe, in dem die Abschlussfeier des gesamten Filmteams stattfand, und so war ich mutig und holte Nuri dazu. Das Wunder passierte. Nuri legte sich auf ihr Deckchen unter meinem Stuhl an der Wand und war einfach glücklich, dabei sein zu dürfen. Sie schleckte jedem die Hand ab, der sich zu ihr runterbeugte und nach einer kleinen Weile, spielte sie sogar mit Lilly. Und selbst das Spiel zweier Hunde auf beengtem Raum, zwischen Stühlen und Tischen war so harmlos, dass es niemanden störte, und alle nur ganz begeistert zusahen. Lilly ist ungefähr 4 mal so groß wie Nuri, das machte das ganze irgendwie noch liebenswerter. Und es war danach auch kein Problem die Hunde nebeneinander auf ihren Plätzen zu halten, während 50 Menschen um sie herum drei Monate Dreharbeiten verabschiedeten.

Nächstes Mal lieber ein Taxi?

Ich habe mich dann nach ca vier Stunden von der Party gestohlen. Da ich auch 2 Gläser Wein getrunken hatte, beschloss ich, den Wagen stehenzulassen und die 3 km zum Hotel durch die Alm zu wandern. Ein nicht ganz unbeknacktes Unterfangen, da wir zweimal einen Bergbach in ziemlicher Höhe überqueren mussten. Das wusste ich natürlich vorher nicht. Und dann tigerten wir 2 km durch den komplett nachtschwärzlichen unbekannten Wald. Was ich vorher auch nicht geahnt hatte. Aber Nuri war tapfer, ich habe eh keine Angst im Wald, und wir kamen glücklich und wieder nüchtern nach 30 Minuten Kletterei durchs Ungewisse im Hotel an. 

Wer hätte das gedacht..

Jetzt liegt die kleine Wundermaus neben mir und knackt. Ich bin unheimlich stolz auf sie.

 

 

Als ich beschloss mir einen Hund zu holen, habe ich gehofft, dass ich sie würde in mein Leben integrieren können. Dass sie aber ein solches kleines Wunder werden würde, hätte ich nicht zu träumen gewagt. Nicht zu fassen, dass ich nach diesem Schei…Jahr 2020 so etwas wundervolles haben darf <3.

 

Bis bald eure Alm-Vaile und Kletter-Nuri

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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